Ammersee - 10. bis 11.05.2008

Die Laker
Es begab sich aber zu der Zeit, dass vor 16.000 Jahren das Eis der Gletscher zu tauen begann. Der Neandertaler hatte zu viele Lagerfeuer entzündet und den ersten dampfbetriebenen Faustkeil erfunden, infolgedessen sich das Kohlendioxyd in der Atmosphäre anreicherte und eine Klimaerwärmung auslöste. Dabei entstand ein Kleinod des Voralpenlandes: der Ammersee. Und weil der Neandertaler das Lakingwesen noch nicht verstand und sowieso am Aussterben war, konnte dieses Kleinod erst anno domini 2008 von zwölf wackeren Lakern erstmalig statutengerecht umrundet werden. Diese 12 Laker der Tafelrunde, in Heldenepen besungen, nannten sich: Ulf, Blinda (später Maultasche) und sein eigen Fleisch und Blut Ben, Statutenreiter, Herb, Nullfehlervroni, Sumpfblüte, Vulvin, Ulfgattin, Konfi nebst später Freund Herbert und vor allen Dingen dieser Welt: Der Putschist. Die reizende Laufente indes täuschte einen Bänderriss vor, um sich mit einem Cocktail im Liegestuhl räkelnd ganz den romantischen Drehbuch-Epen ihres Ausbeuters hingeben zu können, und wurde fortan nur noch Humpelente genannt.
Blick hinab zum Ammersee Die Pioniere wohnten bei äußerst netten Wirtsleuten in Schondorf direkt am Wasser und mussten von Anfang an dem Reiz widerstehen, eines der hauseigenen Segelboote zu mieten und damit den See quasi von innen zu umrunden. Dass dies nicht statutengerecht sein kann, musste ihnen der Putschist nachdrücklich einbläuen, denn der weizenbiergetränkte Ulf ward lange nicht gesehen. So brach man mit einer gehörigen Verspätung auf, was den schleichenden Verfall der ulfschen Autorität mal wieder nachdrücklich aufzeigte. Endlich saß man in den Kutschen und fuhr nach Utting, von wo statutengemäß das Laking zu beginnen hatte, denn dort würde man abends mit dem Fährschiff wieder einlaufen - sofern Ulf den rechten Weg fand. Daran musste schon bald Zweifel aufkommen, denn innerhalb von nicht einmal 15 Minuten hatte der Ulf bereits sageundschreibe drei Mal den falschen Weg eingeschlagen. Das hätte der Neandertaler auch nicht schlechter hingekriegt (obwohl er bereits ausgestorben ist und noch keine angeberischen Großkarten besaß).

ULF und FirstKathy lassen sich das Bier schmecken an dieser Stelle folgten noch ein paar üble Ausfälle gegen den ULF, die aus Pietätsgründen geschwärzt werden mussten.

Um sich angesichts der Unsicherheit ob dieses orientierungslosen Führers zu zerstreuen, führten einige kulturbeflissene Laker gediegene Gespräche über Eduard Thöni, Barnabas und Barabbas sowie die gesamtgesellschaftlichen Einflüsse der gallo-irischen Missionierung durch den Mönch Columba. Derart umfassend fortgebildet, erreichte man das Mittagslokal in Aidenried, wo man von der entspannten und gut gelaunten Humpelente in Empfang genommen wurde. Nach einem sättigenden Mahl und einigen statutengerechten Getränken nahm man den zweiten Teil des ersten Tages gestärkt in Angriff und erreichte mit vereinten Kräften Herrsching, am Fuße des sagenumwobenen Klosters Andechs, für das der Laker leider keine Zeit einräumen konnte - obwohl dort ein hervorragendes statutenrechtes Getränk dunkler Farbe von Franziskaner wohlwollend eingeschenkt wird. Stattdessen enterten die Laker den Raddampfer und erreichten um 17.30 Uhr den Ausgangsort Utting.

Mit dem Schiff über den Ammersee Der erfolgreiche Tag klang im urigen Lokal Wastl aus, wo man wunderbar verköstigt und äußerst freundlich bedient wurde. Zur Krönung des Tages verteilte Sumpfi die neuen Lakingausweise, die mit großer Begeisterung in Empfang genommen wurden. Nun war man endlich eine verbriefte eingeschworene Gemeinschaft. Nun hatte man endlich was Eigenes: den Lakingausweis - in seiner historischen Bedeutung nur mit der Magna Carta vergleichbar. Mitten hinein in diese Euphorie, offenbar aufgestachelt von seinem naseweisen Sprössling Ben, platzte Blinda mit einer völlig unverständlichen Forderung: Er wollte nicht mehr Blinda heißen! Als könnte man sich seinen gottgegebenen Taufnamen selbst aussuchen! Um des lieben Friedens willen tat man ihm diesen Gefallen. So lautet nun Blindas neuer Name Maultasche (siehe Foto). Aber für einige wird er sicher immer Blinda bleiben - schließlich kann es gar keinen passenderen Namen für ihn geben.

Maultasche hat etwas zu sagen Nun war auch das geklärt und Zeit für neue Herausforderungen: Ulf entfaltete eine Großkarte vom größten deutschen See namens Müritz - das nächste große Ziel der Bewegung! Man stimmte ab und entschied mit acht gegen drei Stimmen (bei einer Enthaltung), die Müritz in diesem Herbst in Angriff zu nehmen. Zwei Monate später dann der Affront: Sumpfi hatte sich inzwischen menschlich fortgepflanzt, anstatt nur darüber zu reden, und bat um eine Verschiebung dieser Großtat. Nach einer scheinbar demokratischen Diskussion ließ sich der Ulf erweichen und verfügte, die Müritz-Großtat auf das nächste Jahr zu verschieben. Welch eine Erosion seines absolutistischen Anspruchs!

Da dieser Schreck erst Wochen später in die müden Glieder der Laker fuhr, legten sie sich beruhigt und beseelt nieder. Doch die Nachtruhe wurde jäh unterbrochen, als Konfi entgegen der Hausordnung der Pension nächtlichen Herrenbesuch empfing. Putschist und Statutenreiter im Nachbarzimmer blieb nicht anderes übrig, als zu handelsüblichen Gehörgangsverschlüssen zu greifen, um die bitternötige Erholung zu bekommen.
Denn der größere Teil des Ammerseelakings musste noch bewältigt werden. Bereits am Frühstückstisch konnten die Laker den nächtlichen Störer begutachten: Es handelte sich um den Möchtegernneulaker Herbert, für dessen tadellosen Leumund Konfi garantierte. Und tatsächlich: Auch wenn nach dieser turbulenten Nacht das Schlimmste zu befürchten war, entpuppte sich Herbert als engagierter Laker und höchst angenehmer Zeitgenosse, der sich der Putschistenbewegung gegenüber durchaus aufgeschlossen zeigte.
Trotz des Neuankömmlings war der Frühstücksraum verdächtig spärlich besetzt. Und siehe da: Einige Laker hatten sich zum Segeltörn im Morgengrauen zusammengefunden. Unter der kompetenten Leitung von Kapitän Nullfehlervroni fand sich eine illustre Crew zusammen: Sumpfi, Humpelente und last, but not least Herb, der Captain Sparrow Oberbayerns. Obwohl Kapitän Vroni der Dünung gekonnt aus dem Weg segelte, spendete Sumpfi ein unfreiwilliges Neptunsopfer. Wie wir heute wissen, daran war ein winziger Neptun in ihrem Leib wohl nicht ganz unschuldig.
Die Straße entlang Die Straße entlang

Das Hindernis muss überwunden werden Nach dieser ungewohnten morgendlichen Aufregung konnte es endlich losgehen. Um 11 Uhr fuhr das Fährschiff von Utting nach Herrsching, wo der zweite Tag statutengemäß starten musste. Und wieder einmal mussten die Laker den erschreckenden Verfall der Fähigkeiten Ulfs zur Kenntnis nehmen. Nach wenigen Kilometern war der Uferweg kaum noch zu erkennen und verlor sich komplett im Wald. Die Laker mussten alle Kräfte aufbieten, um den Küstenhang zu erklimmen und oben einen rostigen Stacheldrahtzaun zu bezwingen. Dahinter wartete eine höchstgefährliche, vielbefahrene Hauptstraße, die angeblich nicht zu umgehen sei. Unserlieberführer, was ist nur aus dir geworden? Selbst die konkurrierende Putschistenbewegung kann ob dieses Verfalls nur Mitleid statt Genugtuung empfinden.

Das Hindernis muss überwunden werden Nach dieser Strapaze zog sich das Feld der Laker allmählich auseinander. Offensichtlich zog es jeder vor, seinen eigenen Weg zu finden, als sich der fortschreitenden ulfschen Demenz auszusetzen. Erst gegen 15 Uhr fand man sich im Biergarten von Stegen, am nördlichen Ufer des Ammersees, wieder zusammen. Dort wartete auch wieder Humpelente und hielt bereits eine leckere Brez'n in den Händen. Nach der wohlverdienten Stärkung nahmen die Laker die letzte Etappe in Angriff und konnten sich um 17.30 Uhr müde, aber glücklich in Utting in die Arme fallen.

Wir haben es geschafft Abends ging es wieder zu Wastl. Dort war man bereits bekannt und wurde mit großem Hallo begrüßt. Der Höhepunkt des Tages war freilich die Aufnahmeprüfung Bens, die er mit Bravour bestand. Nun ist Ben der jüngste Volllaker aller Zeiten - ein Titel, den ihm Sumpfis kleiner Neptun beim ersten Säuglingslaking der Weltgeschichte sicher bald streitig machen wird.

Länge: 42km
Seenähe: 4
Schwierigkeitsgrad: 2
Naturschönheit: 3

Berichterstatter: Putschist

Links
Alter Bericht: Ammersee
Wikipedia: Ammersee
Google Maps: Ammersee

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