Kuhzer See - 04.10.2003

Der Kuhzer See in der Uckermark - allein der Blick auf die Karte offenbart seine Komplexität: nicht groß, aber unüberschaubar, nicht rund, sondern unzählige Fjorde. Abkürzungen sind unverzichtbar. Immer am Ufer zu bleiben, könnte bedeuten, dass dieser See das Grab der wackeren Laker werden könnte. Aber das kann doch einen Laker nicht erschüttern!
Der Tag beginnt mit Irritationen. Die Neulaker Alexander und Suzan (Atwell sagt Blinder Evangelister, Sarandon sagt Susann) drücken sich, indem sie alles auf ihren altersschwachen Hund Othello schieben. Am Frühstückstisch äußert Laker Herbert A. zudem den Wunsch, „Schoppen" gehen zu wollen. Befremden in der Runde. Wie kann ein Laker an etwas anderes denken als den nächsten See? Natürlich wird der Wunsch zurückgewiesen. Und die Aselmänner sollen schon mal die weit entfernt geparkte Luxuskarre holen gehen. Die anderen warten dann schon unten auf der Straße auf sie. Dort stehen sie dann. Erste Regentropfen. Von den Aselmännern keine Spur. Unruhe und erster Ärger greifen um sich. Der Minutenzeiger auf der Lakeruhr ist unerbittlich. Bald ist es 12 und noch kein Lakerschritt getan. Das böse Wort vom „Kameradenschwein" fällt. Die sind trotz Verbots Schoppen gegangen, das ist bald allen Geprellten klar. Dudelfisch, ruf doch mal mit dem Handy an. Aber sei streng! „Herbertle, ei wo seid ihr dann?" säuselt Dorothea in den Hörer. Ist das schwäbische Strenge? Jedenfalls ist es bittere Wahrheit: Herbert Aselmann steht im Elektroladen „Satan Hansi" am Alex in diversen Warteschlangen, um einen Speicherchip für seine Kamera zu kaufen. Na, das kann noch dauern! 20 Minuten später schwebt dann der Phäton vor. Ein gehässiges Grinsen aus dem Wageninneren. Unrechtsbewusstsein? Keine Spur. Statt dessen wird Frau Böttler-Aselmann angefahren, weil sie die Socken des barfüßigen Göttergatten nicht mitgebracht hat. Die Lakerseele brodelt. Das kostet! Als die Aselmanns schließlich (nach wiederholter Ermahnung) die abendliche Zeche gezahlt hat, ist sie wieder besänftigt. Ein Laker kann mal aus den Socken fahren. Aber er kann auch verzeihen - wenn das Bier umsonst ist...
Die Laking-Zentrale Dann kann es also endlich losgehen. Bald haben wir Autobahnen, Bundesstraßen und andere befestigte Wege verlassen und befinden uns auf direkter Anfahrt zur zukünftigen Deutschen Laker Zentrale (DLZ) im uckermärkischen Dorf Mittenwalde. Die Größe des Anwesens lässt bereits die zukünftige Mitgliederzahl des Verbandes erahnen. Für jeden wunden Lakerfuß wird hier später ein erholsames Plätzchen zur Verfügung stehen in Erwartung der entspannenden Fußmassage durch die Hausherrin Katrin H. Die Allmachtsfantasien des Noch-ULF können hier auf vielfältige Weise Gestalt annehmen. Gewiss, hie und da ist noch ein Händchen anzulegen, aber schon bald wird in strahlendem uckermärkischen Gelb eine Zentrale entstehen, die der internationalen Strahlkraft unseres Verbandes gerecht und ihm ein Denkmal aus Holz und Stein setzen wird!
Es kann losgehen Und das Schönste an der DLZ: Ein wunderbarer See, der zum wiederholten reinen Entspannungslaken auch in der Zukunft einlädt, ist in Lakerfußweite. Der Kuhzer See - ein Gedicht. Hätte Fontane einen Blick auf ihn geworfen, der Stechlin hätte ihn im Vergleich kalt gelassen und der Kuhzer See wäre zu seinem berechtigten literarischen Ruhm gekommen (eine Scharte, die die bescheidenen Fähigkeiten des Berichtenden natürlich nicht auswetzen können).

Orientierung in Fjorden Die Orientierung zwischen den Fjorden ist nicht leicht. Wo ist der denn, der See? Diese lakeruntypische Frage fällt nicht nur einmal. Der ULF fühlt sich nach der Schwächeperiode des vorigen Tages herausgefordert. Und selbst die Opposition muss eingestehen, trotz ständiger logistischer Einmischungen aus inkompetenten Richtungen bleibt ULF seiner Route treu und führt den Trupp recht zielsicher über Zaun und Sumpf in den sicheren Hafen der Mittagswirtschaft in ein Dorf mit dem beschaulichen Namen Haßleben.
Haßleben Nach einem späten Mittagessen mit Gerichten, die zwar gut aussehen, aber unter zweifelhaften Saucenkreationen leiden, kommen wir mit der robusten Wirtin ins Gespräch.

Mahlzeit „Wo wollen sie denn noch hin heute?" „Nach Mittenwalde." „Wo sind denn ihre Fahrräder?" Wir sind Laker, wir sind zu Fuß unterwegs." „Nach Mittenwalde? Zu Fuß? Das schaffen sie nie vor der Dunkelheit."
Hat sie Recht, die Frau? Sie ist ja schließlich von hier. Oder sollen wir doch weiterhin den beruhigenden Versprechungen des ULF trauen? Der ULF, was führt er letztlich wohl im Schilde? Will er den ganzen Trupp im Moor versenken, um mit der frisch gefüllten Mitgliederkasse durchzubrennen? Wir wissen es nicht. Aber wir haben sowieso keine Wahl und machen uns beschleunigten Schrittes auf den Weg der Dämmerung entgegen.

Nun schlagen die Stunden des Blinder Evangelister. Zunächst kämpft er sich im Stile eines Vietnamkriegveterans am Ufer entlang und den Lakern den Weg frei. Hier mag einmal ein Pfad gewesen sein. Jetzt ist es ein Hohlweg, der den einen oder andern Machetenschlag erfordert. Durch diese hohle Gasse müssen sie kommen! mag der ULF denken und sich insgeheim die Hände reiben. Aber er freut sich zu früh. Die Moral bricht nicht. Im Gegenteil! Bald hat der Übermut Blinder Evangelister völlig in seiner Gewalt. Wie ein junges Pony hüpft er jauchzend über die Felder. Immer am Busen der Natur und auf der Suche nach einer Tagesabschlussgefährtin. Und sein Bruder lässt sich anstecken. So kommt es, wie es kommen muss. Die Aselmänner eilen voraus und finden zielsicher alle erdenklichen Umwege. Doch die beiden Ulfs haben sie im Visier. Von einem Hochsitz aus bietet sich ihnen nicht nur ein Blick über die grandiose Landschaft im rötlichen Schein der Abendsonne, sondern auch ein Auge auf die abtrünnige Burschenschaft: Blinder steht schon jauchzend auf einem Hügel, während sich Herbert noch durch die mannshohen Sumpfhecken kämpft. Aber die Umwege machen sie durch beschleunigtes Tempo letztlich wieder weg. Aselmannsche Mannesehre treibt sie voran - und am Ende kommen beide Teilgruppen fast gleichzeitig am Ausgangspunkt in Mittenwalde wieder an.

Übers Feld Geschafft Dämmerung

Der Tag findet seinen verdienten Abschluss in einem Lokal im Prenzlauer Berg, das sich weder als Grieche, noch als Spanier, sondern als Italiener entpuppt. Hier stoßen auch die vom schlechten Gewissen geplagten Neulaker mit ihrem zweifelhaften Schuhwerk und gebrechlichen Vierbeiner wieder dazu und sind willkommen. Die Zeche zahlt das Hause Aselmann - und mit wunderbaren Natureindrücken im Gemüt legt sich jeder Laker mit der erneuerten Gewissheit zur Ruhe: Ein Leben ohne Laken ist wie ein Kristall ohne Zitrone!
Naturschönheit: 6
Seenähe: 2
Schwierigkeitsgrad: 4,5

Bericht verfasst von Putschisten-Ulv Gunther E.

Links
Alter Bericht: Kuhzer See
Wikipedia: Kuhzer See
Google Maps: Kuhzer See

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