Rurtalsperre - 03.10.2009

Teilnehmer: Ben, Hörb, Posaune, Bille, FirstKathy, Statutenreiter, Frau Wente, Putschist, ULF
Rurtalsperre Die Laker
Natürlich, reden wir nicht drum herum. Alle waren etwas aufgeregt. Das erste Laking völlig ohne bajuwarische Teilnehmer. Würde das überhaupt gut gehen? Die bange Frage stand allen Teilnehmern ins Gesicht geschrieben, als wir am Samstag, dem 3. Oktober um 10.58 Uhr am Ortsausgang von Heimbach das Laken der Rurtalsperre (auch Rurstausee) begannen. Schon nach ein paar Metern war klar, warum uns Maultasche dieses Mal nicht begleiten wollte. Er, bekannt für seine präzisen Recherchen im Vorfeld eines jeden Lakings, hatte sich wahrscheinlich die Ufersituation bereits angeschaut und dabei eine enorme Seenähe, aber eben auch 30 Meter senkrecht abfallende Uferstreifen entdeckt.
Blick von der Staumauer Die Laker
Nun - wie sollten wir ohne unser ero-rhetorisches Vorbild Maultasche überhaupt zu einem satzungsgemäßen Laking kommen? Ohne Boa und andere Fortpflanzungsinstrumente? Um es vorwegzunehmen: die Sorge war unbegründet. Vielmehr entstand eine Fortpflanzungsdiskussion auf ganz neuem, ja höchstem gedanklichen Niveau - gerade, weil die bajuwarische Fraktion fehlte? Ben ist ja Österreicher. -, die hier nur in Auszügen wiedergegeben werden kann.
Bierpause Eine Diskussion bahnt sich an
Hörb: Kinnings, ich mein, das ist doch Philosophie 1. Klasse, dass man seit Faucault den Trieb nicht mehr als ein widerständiges, sondern als ein affirmatives Element der Psyche gegenüber der Gesellschaft versteht!
Ben: Also, ich hab in der Bravo gelesen…
Hörb: Du bist jetzt mal ruhig, Ben.
Posaune: Hörb, hör doch auf mit dieser Bullenscheiße, die du erzählst. Jeder Trieb hat doch seinen entsprechenden Gegentrieb.
Statutenreiter: Das ist ja primitivster Freud, du Zahnbürstenverbieger!
Ben: Also in der Bravo stand neulich…
Statutenreiter: Halt mal die Schnauze, Ben. Schon bei Kant ist es ja der sinnliche Trieb, der die Glückseligkeit ausmacht…
Bille: Dann musst du Kant aber bis zum Ende lesen, du Affenarsch! Da steht nämlich, dass dies direkt zur Selbstliebe führt!
Statutenreiter: Besser Selbstliebe als gar keine Liebe.
Bille: Man muss schon eine geistige Lichthupe sein, jetzt mit Kant zu kommen. Dann bist du Körperkasper auch gleich bei seinem Begriff des Begehrungsvermögens, oder?
Ben: Was ich ja in der Bravo gelesen hatte…
Bille: Ben! Klappe!
FirstKathy: Bille, du hast echt ein Ei auf'm Kopp. Ich sag nur, Marcuse: "Eros and Civilisation". Auch eine Milchbrötchenesserin wie du muss doch einsehen, dass man Abweichungen vom ursprünglichen Trieb als Ergebnisse der Triebarbeit zu begreifen hat! Ich mein, sieh dir doch Ben, diesen Rechtlinksverwechseler, an. Da siehst du doch, wie im Ödipuskomplex der aggressive Impuls gegen den Vater durch Verbote und Identifikation zu zielgehemmter Liebe und Sublimierung im allgemeinen führen kann.
ULF: Passt mal auf, ihr Nachttopfsklaven. Wer nur ein bisschen von Baudelaire begriffen hat, wird doch einsehen, dass in der Sexualität niemals das Verhältnis zweier gleichberechtigter Personen, die sich wechselseitig miteinander austauschen wollen, gesucht wird.
Hörb: Was meinst du denn mit "wechselseitig miteinander austauschen"?
Bille (stöhnt): Das muss in der Familie liegen…
Ben: Was ich ja interessant fand, in der Bravo haben se geschrieben…
ULF: Ben, dein ULF spricht!
Ben: Entschuldigung, ULF.
ULF: Also nach Baudelaire, schließt ja gerade das Streben nach Lust die Gleichberechtigung vielmehr aus!! Was wolltest du denn nun sagen, Ben?
Ben: Also in der Bravo stand neulich, dass, wenn man wie Habermas, den Trieb als geschichtliches Movens - mit äußerer und innerer Natur - einsetzt, man den Trieb selbst zur Naturkraft macht. Bei Habermas ist die Wendung aber, dass es überhaupt nur sprachlich interpretierte Bedürfnisse gibt. Man denke nur an meinen Vater!! Das hat mich erst ziemlich runtergezogen. Bis mir klar wurde, dass es der Habermas'sche Bedürfnisbegriff ja auch erlaubt, Fortschritt, Selbsterhaltung und Gattungsinteresse zusammenzustellen.

Nach diesen Worten Bens gingen alle nachdenklich schweigend weiter, bis wir um 18.30 Uhr nach 7 Std. 33 min. Netto-Lakingzeit die Talsperre mit 28 Kilometern umrundet hatten.
Blick auf die Rurtalsperre Blick auf die Rurtalsperre
Dem aufmerksamen Leser wird nicht entgangen sein, dass sich Frau Wente und der Putschist nicht an diesen Gesprächen beteiligt hatten. Stimmt. Aber die beiden hatten andere Probleme. Wie zum Beispiel: Wo ist der See, wenn das Wasser über mir ist? Und wenn ich ihn erst auf der rechten Seite habe und dann auf der linken Seite, laufe ich dann rückwärts oder sind die anderen Schuld? Was ist überhaupt "im Uhrzeigersinn laken"? Was ist ein Uhrzeiger? Und was überhaupt eine Uhr? Nachdem die beiden das auf vielen Irrwegen ausdiskutiert hatten, stießen sie in Heimbach zum Rest der Gruppe, um viele Kilometer und einige Erfahrungen reicher.
Abschließend die Bewertung
Seenähe: 4
Schwierigkeitsgrad: 3
Naturschönheit: 3
(von jeweils 6 möglichen Punkten)

Bericht: geschrieben vom ULF am 23. Oktober 2009

Links
Alter Bericht: Rurtalsperre
Wikipedia: Rurtalsperre
Google Maps: Rurtalsperre

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